Zum aktuellen Stand der Städtepartnerschaften bis 2011

Die von Ludger Meier getroffene Aussage, dass Europa zusammenwächst, gilt nur dann, wenn vor allem die Jugend für Europa gewonnen und der Europagedanke allgemein verbreitet wird. Dies hat den Partnerschaftsverein bewogen, die Städtepartnerschaften besonders im Bereich der Schüler- und Jugendbegegnung weiter auszubauen und für ein Europa der Bürger mit Seminaren, Ausstellungen und Vorträgen zu europäischen Themen zusammen mit der Stadt Rheine zu werben.

Europäische Schüler- und Jugendbegegnung (Link)

Inzwischen nehmen halbjährlich allein 16 Grundschulen mit rund 400 Schülern an einem eintägigen Austausch Rheine und Borne - Hengelo teil. Auch die Begegnung in der Sek. I wird weiter ausgebaut. Ziel ist es, schrittweise alle Schüler, die in Rheine Niederländisch und in Borne - Hengelo Deutsch lernen, in schulische Projekte einzubeziehen. Daran beteiligen sich die Euregio-Gesamtschule und die Elsa-Brandtström-Realschule Rheine mit der Scholengemeenshap Twickel in Borne – Hengelo. Die anderen Partnerstädte liegen für diese Art Schüleraustaustausch zu weit entfernt. Erweitert wird das Ganze gelegentlich, wie im März 2006, durch eine Fortbildung für Lehrer mit neuen Materialien über die Niederlande. Auf dieser Veranstaltung des Zentrums für Niederlandestudien der Universität Münster waren von Borne und Rheine insgesamt sieben Schulen vertreten. Auch gegenseitige Lehrerhospitation ist ein weiterer wichtiger Weg, von- und miteinander zu lernen. Gesteuert wird diese Jugend- und Lehrerbegegnung von den Schulen selbst oder auch in Zusammenarbeit mit den Städten und Partnervereinen. (Pressearchiv)

Für Schüler der Jg. 9 – 11 wird ein erweiterter Schüleraustausch angestrebt im Umfang von gut einer Woche. Daran nehmen zur Zeit zwei Schulen aus Leiria und in Rheine Don Bosco, Dionysianum und Kopernikus-Gymnasium teil. Dieser Bereich ist noch ausbaufähig, zumal Bernburg, Rheine und Trakai in Zusammenarbeit mit Jugendherbergen oder Sportzentren die Möglichkeit für die Durchführung von Klassenfahrten haben. Wie eine solche Fahrt inhaltlich aussieht, um Schülern Partnerstadt, Land und Leute unter europäischen Gesichtspunkten näher zu bringen, zeigt die Planung für den nächsten Besuch aus Leiria im September 2009. (Anlage 1)

Neue Wege wollen die Kaufmännischen Schulen von Rheine und Leiria versuchen, indem sie ihren Austausch mit dem Erwerb eines europäischen Sprachendiploms verbinden. Auch der Besuch eines Deutschkurses der VHS Trakai in Rheine im August 2006 setzt neue Maßstäbe. Besonders interessant für Schüler der Oberstufe und Jugendliche in der Ausbildung ist das Jugendbotschaftermodell in Verbindung mit einem kurzen Praktikum in selbstgewünschten Berufsbereichen. Daran haben von 1996 bis 2009 insgesamt rund 100 Jugendliche teilgenommen mit wachsender Tendenz. Allein im Jahre 2006 waren es sogar 14 Jugendliche, die mitmachten. Wie das Jugendbotschaftermodell organisiert wird, darüber gibt die Anlage 2 Auskunft. Neue Möglichkeiten ergeben sich, sobald auch Rheine eine Fachhochschule besitzt.

Europaseminare, Ausstellungen und Vorträge (Link)

Seit längerem bemüht sich der Verein, für Europa mit Seminaren zu werben. Daran nehmen Mitglieder der Partnervereine und interessierte Bürger der Partnerstädte teil, so in Berlin, Straßburg, Kühlungsborn, im August 2006 im Harz, 2007 in Erfurt, 2008 in Stettin und 2009 in Litauen. Hinzu kommen Ausstellungen, wie „Chance Europa“ in Verbindung mit dem Auswärtigen Amt 2005, „Eine Feder für die Freiheit“ 2006 mit Karikaturen von Fritz Behrendt, der sich fünf Jahrzehnte lang in allen großen Zeitungen kritisch mit europäischer Politik auseinandergesetzt hat und "Neue Wege zur Freundschaft" 2008 im Rahmen einer Polnischen Woche. Ebenso wird mit Vorträgen zu europäischen Themen, wie zur Europaverfassung oder zu den Partnerländern für Europa geworben. So hat Mitte November 2006 der Leiter des Zentrums für Niederlande - Studien der Universität Münster die innenpolitische Entwicklung der Niederlande seit dem 2. Weltkrieg behandelt. Es folgten in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen 2008 mehrere Vorträge zu Polen und eine Fotoausstellung über Papst Johannes Paul II.

Das europäische Netzwerk der Partnerstädte (Link)

Möglich werden diese Aktivitäten dadurch, dass zwischen den Partnervereinen und Städten ein Netzwerk entstanden ist, wobei sie auch lokal und regional mit anderen Vereinen und Institutionen im sozialen und bildungspolitischen Bereich zusammenarbeiten. So sind die Partnerschaft zu Trakai z. B. ohne Caritas Rheine und die Seminare ohne DEBP – das Deutschland-und Europapolitische Bildungswerk - nicht denkbar. Natürlich gibt es auch Probleme. Hier kommt dem Netzwerk zugute, dass in Rheine Stadt und Partnerschaftsverein eng zusammen arbeiten. Die Stadt verfügt über professionelle Organisation, der Verein schlägt ehrenamtlich die Brücke zu den Bürgern. Die Verzahnung geht inzwischen soweit, dass der Leiter des Pressereferates auch im Vereinsvorstand vertreten ist und Stadt und Verein die Städtepartnerschaften gemeinsam mit den Ansprechpartnern in Borne, Bernburg, Trakai und Leiria planen.

Wichtig in diesem Zusammenspiel ist es, dass alle im Rat vertretenen Parteien die Städtepartnerschaften voll unterstützen. Angefangen von den Bürgermeistern und Fraktionsvorsitzenden beraten sie mit den Vertretern der anderen Partnerstädte über gemeinsame kommunale Themen wie demografische Entwicklung, präsentieren ihre Städte und stellen auch Haushaltsmittel bereit für die Pflege der Städtepartnerschaften. Hinzu kommt die finanzielle Eigenleistung der Partnervereine. So kommen die gemeinsamen Aktivitäten, etwa aus Anlass des 800-jährigen Bestehens von Borne und der Besuch in Trakai Ende Mai 2006 zustande. Damals besuchte eine gemeinsame Delegation unter Leitung der Bürgermeister und der Vorsitzenden der Partnervereine die litauischen Partner. Ihr gehörten Mitglieder der Fraktionen, der Stadtverwaltungen, der Caritas Rheine und Bürger aus Borne, Bernburg und Rheine an.

Gemeinsam wurde so die zehnjährige Partnerschaft mit Trakai gefeiert und über Kinder– und Seniorenbetreuung gesprochen. Hier tut sich übrigens ein neues Feld auf. Im August 2006 wurde unter dem Gesichtspunkt der demografischen Entwicklung ein Seminar speziell zur Seniorenarbeit der Partnervereine in Worbis mit Teilnehmern aus allen Partnerstädten durchgeführt. Ausgehend von dieser Grundlage wurde anschließend ab 2007 gemeinsam eine neue Konzeption für Seniorenarbeit entwickelt (s. Jahresplanung 2007). Bis Ende 2008 wurde in Trakai das Seniorenzentrum fertiggestellt und die Planungsphase für ein neues Kinder- und Familienzentrum abgeschlossen. Es muss in den nächsten Jahren noch viel getan werden. In diesem Zusammenhang spielen auch die persönlichen Kontakte und die Geselligkeit eine große Rolle, wie die Rheinetage in Bernburg Anfang Oktober 2006 und 2008 zeigten. Gemeinsam Bernburg und die Umgebung zu erkunden und mit dem Rad zu "erfahren" kam bei allen Teilnehmern gut an.

Nur durch diese strukturelle Verzahnung sind die zahlreichen Aktivitäten und persönlichen Begegnungen zwischen Mitgliedern der Partnervereine, der Schützenvereine, der Feuerwehren, der Pfadfinder und Senioren mehrerer Kirchengemeinden entstanden. Besonders gut angenommen wird von den Bürgern die von den Partnerkomitees ausgearbeitete Fahrradtour Rheine – Borne und umgekehrt. Gesponsert von zahlreichen Firmen beider Städte erschien 2007 eine überarbeitete Neuausgabe und wird seitdem über die Verkehrsvereine vertrieben. Schon bei der Sternfahrt Mitte Juli von Borne und Rheine zur Burg Bentheim wurde die Vorlage genutzt. Auch der Sport beteiligt sich mit zahlreichen Wettkämpfen, wie sie z. B. zwischen den Bridge-Klubs beider Städte seit 23 Jahren ausgetragen werden. Ebenfalls bestehen gute Beziehungen zwischen den Schwimmvereinen von Bernburg und Rheine. Auch auf karnevalistischer Ebene hat sich einiges getan.

Hervorgehoben werden muss die kulturelle Zusammenarbeit. Sie wird seit langem vor allem von Martin Rehkopp in Verbindung mit dem Kulturzentrum Kloster Bentlage getragen. Dazu zählen auch Workshops mit Künstlern aus den Partnerstädten und deren Regionen. So wurde im Sommer DruckArt Bentlage in Borne und Ende 2006 in Traki gezeigt. Eine weitere Ausstellung lief in der polnischen Partnerstadt Bernburgs mit Stadtansichten aus Rheine. Aber auch die Musiker- und Theatergruppen, welche die Begegnungen in Borne und Bernburg 2006 und 2008 das 25-jährige Jubiläum mit Borne mitgestaltet haben, verdienen Erwähnung.

Und nicht unerheblich ist vor allem die positive Unterstützung der Presse, die unsere Berichte über die partnerschaftlichen Kontakte regelmäßig veröffentlicht und so unser Bemühen für Europa im Bewusstsein der Bürger verankert. Nur auf dem Hintergrund des über Jahrzehnte gewachsenen Netzwerks zwischen den Partnerstädten, Vereinen und Institutionen sind diese Aktivitäten möglich. So wächst Europa unspektakulär langsam an der Basis lokal und regional zusammen und allmählich entsteht ein „ Europa der Bürger“. Gut funktionierende Städtepartnerschaften spielen hierbei eine wichtige Rolle und dafür zu arbeiten macht Freude und Sinn.

(Alfred Franz ist seit Anfang 2005 Nachfolger von Ludger Meier)

Stand: Anfang Januar 2011