Zunehmend mehr treten uns Europäern Recht und Praxis der Europäischen Union im Alltag entgegen. Wir erleben Europa Im Umgang mit dem EURO, der internationalen Arbeits- und Wirtschaftswelt, im Urlaub, bei Besuchen von Freunden in der engeren und weiteren Nachbarschaft. bei überregional bedeutsamen Festivals, bei hilfeleistenden Unternehmungen diesseits und jenseits der immer durchlässiger werdenden innereuropäischen Grenzen.
Dass Europa „von unten wächst" und in unseren Kommunen erlebbar ist, dokumentiert sich vornehmlich auch mit Blick auf die Menschen in unseren Partnerstädten. Im Miteinander ihrer Bürger präsentiert sich uns Europa menschlich und bürgernah. Uns Rheinensern wird das immer wieder in Begegnungen und gemeinsam getragenen Maßnahmen mit den Bürgern unserer Partnerstädte deutlich. An Formen und Inhalten aller Aktionen, die im Partnerschaftsfünfeck Rheine - Borne - Bernburg - Leiria - Trakai durchgeführt werden, ist abzulesen, wie wirksam gestern, heute und morgen auf mannigfachen Wegen Partnerschaft zwischen den Menschen in den Kommunen gelebt und erlebt werden kann.
Nicht erst seit dem Sommer 1983, als in Rheine und Borne die Partnerschaftsurkunden unterzeichnet wurden, suchen die Bürger der Stadt Rheine und der Gemeente Borne einander die „Einheit in der Vielfalt“ und die „Vielfalt in der Einheit" ihrer Kommunen und deren Einrichtungen zu vermitteln. Vielmehr sind aus den bereits seit 1974 im Euregio - Verband geknüpften ersten Kontakten über Maßnahmen des Jugendaustausches, sportlicher Wettkämpfe und der Seniorenbegegnung gut nachbarschaftlichen Beziehungen entstanden. Diese bilden noch heute einen Schwerpunkt der vielfältigen regionalen Veranstaltungen zwischen den Bürgern von Borne und Rheine, zumal die beiden Partnerstädte nicht weit auseinanderliegen.
Hierbei haben die Partnerschaftskomitees, unterstützt durch Vereinsvorstände und Verwaltungsfachleute, bleibende und immer wieder ausgeweitete Aktionsfelder partnerschaftlicher Zusammenarbeit entwickelt. Nicht zuletzt wegen der geringen Entfernung von nur 56 km arbeiten Bornenser und Rheinenser in den Bereichen Kunst. Musik, Brauchtumspflege, Sport, Freizeit, Schule, Wirtschaft, Verwaltung, Politik und humanitäre Hilfe eng zusammen.
Was betont herauszustellen ist: Im Mai und September eines jeden Jahres veranstalten Grundschulen aus Rheine und Borne einen Schüleraustausch; im Laufe der Jahre erschloss er Tausenden einen Ort, seine Bewohner und deren Lebensart im Nachbarland.
Und noch ein Hinweis zu Borne: Seit einigen Jahren liegt der von den Partnerschaftskomitees Rheine und Borne erarbeitete Plan eines Radwanderweges zwischen Rheine und Borne vor. Wenn Sie seinen Angaben folgen, erreichen Sie unsere Partnerstadt auf angenehm zu befahrenden Wegen durch eine erlebnisreiche Landschaft.
Rheines zweite Städtepartnerschaft - sie wurde 1990 mit Bernburg, einer in Sachsen-Anhalt malerisch an der Saale gelegenen ehemaligen Residenzstadt unterzeichnet - erwuchs aus dem Wunsch, einen Beitrag zum Aufbau-Ost zu leisten. Das geschah in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts intensiv durch Anregungen und Hilfe unter anderem der Stadtverwaltung bei Stadtplanung, Vereinsarbeit und auf dem sozialen Sektor. Über die reibungslose, mit viel Dankbarkeit, Aufgeschlossenheit und Tatkraft der Bernburger begleitete Aufbauarbeit entwickelten sich bleibende Freundschaften.
Heute vertiefen sie sich in vielen Besuchen einzelner und vieler Vereine. Zum „Tag der Deutschen Einheit“ treffen sich Abordnungen der beiden Partnerstädte jährlich wechselnd in Rheine oder Bernburg; dann wird ein Partnerschaftsprogramm durchgeführt, das charakteristische ortstypische Angebote den Gästen bietet. Wir Rheinener knüpften inzwi-schen Kontakte mit drei weiteren Partnerstädten Bernburgs; die Bernburger ihrerseits binden sich neben den Bornensern ein in die vielfältigen Aktionen der Aufbauhilfe, die Rheine für unsere dritte Partnerstadt leistet, für Litauens im hohen Mittelalter zeitweise zur Hauptstadt erwähltes Schmuckstück Trakai.
Mit Trakai besiegelte Rheine 1996 eine weitere Städtepartnerschaft. Inzwischen hat sie sich zu einem als Mustermaßnahme geltenden Netzwerk zwischen Rheine, Borne, Bernburg und Trakai entwickelt.. Denn neben den hüben wie drüben zahlreich durchgeführten Veranstaltungen in den klassischen Bereichen der Partnerschaftsaktivitäten (Kultur, Sport, Jugendaustausch usw.), einem Berufsförderungslehrgang und den Maßnahmen zur Leistung humanitärer Hilfe führen die drei mitteleuropäischen Städte zugunsten Trakais im Baltikum Aufbaumaßnahmen durch. Sie wurden inzwischen nahezu zum Tagesgeschäft mehrerer Hilfsorganisationen, caritativ tätiger Verbande, Kirchengemeinden, Privatiniti-ativen, einiger Seniorengruppen, des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaften der Stadt Rheine und seiner Partner In Borne und Bernburg.
Diese initiierten und unterstützen in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde Trakai und mit staatlichen und kommunalen Behörden Litauens das Planen, Finanzieren, Errichten und Ausstatten mehrerer Einrichtungen, die in Litauen als Pilotprojekte gelten. Jugendbegegnungszentrum, Altenhilfestation, Werkstatt für Behinderte sind fertiggestellt und werden betrieben; ein Internat für Jugendliche aus Problemfamilien wird derzeit umgebaut und umstrukturiert. Daneben bereiten Fortbildungsprogramme der Netzwerkpartner die in Betreuung und Ausbildung tätigen Mitarbeiter dieser Einrichtungen auf ihre Aufgaben vor. Eines dieser Arbeitstreffen fand im August 2002 in Bemburg, Rheine und Hengelo statt. Außerdem entwickelt das Netzwerk – unterstützt von EU und Fachleuten aus Litauen - Grundlagen und Details eines Initiativprogramms mit dem Ziel, einen wirtschaftlich wie ökologisch vertretbaren sanften Tourismus als Wirtschaftsfaktor für das Tourismus.- und Wassersportzentrum Trakai - es liegt in einer Seenlandschaft rund 20 Kilometer westlich der litauischen Hauptstadt Vilnius – zu fördern.
Ganz anders geartet stellt sich die ebenfalls 1996 unterzeichnete Partnerschaft Rheines mit der portugjesischen Stadt Leiria dar. Sie hat ihren Ursprung darin, dass bereits seit Jahrzehnten viele Portugiesen als Mitbürger in unserer Stadt Rheine leben und arbeiten. Enge Freundschaften und vielerlei Verbindungen sind entstanden: sie erwiesen sich als tragende und Aktionen beflügelnde Grundlage für die offiziell abgeschlossene Partnerschaft. So weist der Rheinenser Partnerschaftskalender unter seinen 26 fest terminierten Maßnahmen acht aus, die Kontakte von Rheine nach Leiria über Musiker, Chöre, Pfadfinder, Künstler,.Schulen und eine Bürgerreise vertiefen oder neu schaffen.
Außerdem sind im laufenden Jahr zwei junge Menschen als Jugendbotschafter aus Rheine in Leiria; zwel Leirianerinneni hielten sich in dieser Funktion - sie sollen während ihres Aufenthaltes die Kontakte zwischen Institutionen in den Partnerstädten knüpfen und yertiefen helfen - im März in Rheine auf. Auf diese Weise wird, bei aller bewusst gewahrten Individualität und Eigenständigkeit, der Zusammenhalt der Menschen in Europa immer enger.
(Ludger Meier, Altbürgermeister und Ehrenmitglied, war Vorsitzender des Städtepartnerschaftsvereiens von 1983 bis Anfang 2005 und leitet noch immer den deutsch-portugiesischen Freundeskreis. Sein grundlegender Beitrag zur Städtepartnerschaft erschien 2002 am 6. September in der Münsterschen Zeitung).